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Pressestimmen zu unseren Konzerten

Frühlingskonzert 2008: Musik und Poesie

Zeit erinnert an die Endlichkeit des Menschen

Der Orchesterverein Dottikon erfreute unter der Leitung von Daniel Polentarutti in der katholischen Kirche Dottikon ein grosses Publikum mit Musik aus Barock, Klassik und Frühromantik. Bedeutende Farbtupfer setzten im überaus gut gelungenen Konzert die Wildegger Lyrikerin Ruth Zschokke und die Geigern Sonja Jungblut.

Es ist ja etwas eigenartig, wenn man im Gesamtschaffen von Juan Cristoforo de Arriaga ein Spätwerk ausmacht. Arriaga war gerade 19 Jahre alt, als er sein zweites Orchesterwerk, die erste Sinfonie vollendete. Ein Jahr später erlag er der heimtückischen Tuberkulose. Dennoch ist der Begriff Spätwerk angebracht: die D-Dur-Sinfonie ist eine ausgereifte, frühromantische Komposition, nicht allzu weit weg von Beethoven, insbesondere im Menuett, das recht eigentlich ein Scherzo ist. Wäre dem Spanier ein längeres Leben vergönnt gewesen, wäre er wohl, neben de Falla, zum bedeutendsten Tonschöpfer Iberiens geworden.

Ruth Zschokke hatte zu diesem Werk ein Gedicht geschrieben, das die Tragik im Leben Arriagas, aber auch die Klangvielfalt der Sinfonie mit eindrücklichen Worten darstellt. Die Dichterin blickt auf ein langes, bewegtes Leben zurück, hat viel Leid, aber auch viel Schönes erlebt. Das spürt man, wenn man ihren Texten zuhört. Das Orchester überzeugte einmal mehr als gut geformter, sorgfältig vorbereiteter und homogen aufspielender Klangkörper. Das ist umso bemerkenswerter, als Arriagas Partitur nicht zu den einfachen gehört. Zahlreiche Klangnuancen, virtuose und zarte Stellen, Verhaltenheit und Ausbruch prägen das viersätzige Opus. Der satte Streicherklang und die ihren Part sicher beherrschende Flötistin verdienen besondere Erwähnung.

«Frühling» mit Vivaldi

Auch zu Vivaldis Violinkonzert «Der Frühling» aus dem Zyklus «Die vier Jahreszeiten» hatte sich Ruth Zschokke einige Gedanken gemacht, Gedanken zum Frühling, den Hoffnung auf Blüte und Frucht, Nebel und Sturm ausmachen. Sonja Jungblut, die auch als Konzertmeisterin des Orchestervereins Dottikon wirkt, übernahm den Solopart. Sie liess Vivaldis farbenreichen Frühling so richtig aufblühen, hauchte ihm Leben und Freude ein, passend zum Sonntagnachmittag, an dem ja Sonne und warme Winde den Ton angaben. Das Orchester schien in den Tutti-Stellen zu dicht besetzt zu sein und wirkte dadurch etwas schwerfällig. Im langsamen Satz entstanden dadurch ein paar rhythmische Unsicherheiten. Dem gegen- über entwickelten Solistin und Stimmführer wunderbare Dialoge.

«Die Zeit» mit Haydn

Zum Schluss erklang eine der letzten Sinfonien Joseph Haydns, jene in D-Dur mit der Nummer 101, 1794 entstanden in London. Sie trägt, wegen des zweiten Satzes, den Untertitel «Die Uhr». Auch dazu hatte Ruth Zschokke einige einprägsame Zeilen geschrieben. «Das Jetzt ist ein Wimpernschlag», und Zeit erinnert an die Endlichkeit des Menschen.

Zum Höhepunkt des ganzen Konzertes wurde zweifelsohne dieses berühmte Andante, eben «Die Uhr». Dirigent, Musikerinnen und Musiker spielten so präzise wie eine Schweizer Uhr, niemand platzte in die Generalpause, die Instrumentalisten achteten auf die genaue und motivierende Zeichengebung ihres Dirigenten: ein Genuss. Die Bläser setzten saubere Soli, auch hier allen voran die Flöte und das Fagott. In den Ecksätzen liess sich der Dirigent nicht zu horrenden Tempi verleiten, sondern lotete die Grenzen seines Orchesters genau aus und sorgte durch das behutsame Vorgehen dafür, dass niemand überfordert war. Haydns 101. Sinfonie ist für kein Orchester leichte Kost. Das Dottikoner Ensemble nahm sich der heiklen Aufgabe mit Freude, Engagement und höchster Konzentration an. Das verdient Respekt und Anerkennung.

Das Konzert wird am 9. März um 17 Uhr in der katholischen Kirche Zufikon wiederholt.

Jürg Nyffenegger

© AZ-Tabloid / MLZ; 04.03.2008; Seite 7

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