Pressestimmen zu unseren Konzerten
Frühlingskonzert 2009: Die letzten Dinge (Louis Spohr)
Eine wunderbare Apokalypse
Kantichor Wohlen und
Orchesterverein Dottikon führten das Oratorium «Die letzten Dinge» auf.
Gleich dreimal kamen der
Orchesterverein Dottikon und der Kantichor Wohlen übers Wochenende zusammen, um
das etwas in Vergessenheit geratene Oratorium «Die letzten Dinge» aufzuführen.

Das zweiteilige Oratorium
«Die letzten Dinge» des Komponisten Louis Spohr wird heute kaum noch je
aufgeführt. Schade eigentlich, galt es den Zeitgenossen des deutschen
Komponisten im frühen 19. Jahrhundert doch zu Recht als eine der grössten
musikalischen Schöpfungen. An den drei gemeinsamen Konzerten des Kantichors
Wohlen und des Orchestervereins Dottikon bot sich übers Wochenende die seltene
Gelegenheit, die musikalische Vielfalt des frühromantischen Oratoriums zu
geniessen. Unter der musikalischen Leitung des Wohler Kantonsschullehrers und
Pianisten Beat Wälti gelang es den beiden Freiämter Musikformationen in ihrem
ersten gemeinsamen Projekt, Louis Spohrs «Die letzten Dinge» ausdrucksstark und
überzeugend auf die Bühne zu bringen. Die knapp 90-minütige Aufführung › ein
wohlklingendes Hin und Her zwischen dramatisch vorgetragenen Rezitativen,
filigranen Solostellen, imposanten Chorgesängen und instrumentalen
Zwischenspielen › mündete in minutenlange Standing Ovations; ein gerechter Lohn
für die harte musikalische Arbeit, welche die Sänger und Musikanten im Vorfeld
der Konzerte geleistet hatten.
Gesamtchor leider rar
Den vielleicht
eindrücklichsten Moment des Konzertes erzeugten die Sängerinnen und Sänger der
Kanti Wohlen in dem sanften, beinahe verletzlich vorgetragenen A-cappella Stück
«Selig sind die Toten». Wie eine ruhende musikalische Insel inmitten des rundum
tosenden Lobgesangs und der immer wiederkehrenden unheilverkündenden
Endzeit-Melodien lud das Stück zum melancholisch-kontemplativen Verweilen ein.
Der Chor überzeugte an dieser Stelle mit seinem stimmlich optimal ausgeglichenen
Klang und schuf einen angenehmen Kontrast zu den übrigen, meist sehr dominant
vorgetragenen Stücken. Schade nur, dass der Anteil an Gesangspartien für den
Gesamtchor in Spohrs Oratorium im Verhältnis zur Länge des Werkes relativ klein
war.
Hervorzuheben sind auch die
gesanglichen Leistungen der vier hinzugezogenen Solisten Judith Flury, Christoph
Metzger, Stefan Vock (alle drei Musiklehrer an der Kanti Wohlen) und Maria
Glarner. Besonders die mit viel Gefühl vorgetragenen Soli des Wohler Tenors
Christoph Metzger, der etwa im Duett «Sei mir nicht schrecklich in der Not» mit
der Sopranistin Maria Glarner dank seiner wohlig hellen Stimme beeindruckte,
bleiben in bester Erinnerung.
Wahrer Hörgenuss
Die Aufführungen des
frühromantischen Oratoriums «Die letzten Dinge» ist dem Orchesterverein Dottikon
und dem Kantichor Wohlen musikalisch sehr zufriedenstellend gelungen. Daran
änderte auch die teilweise irritierend widersprüchliche Zusammenstellung der
apokalyptisch anmutenden Bibelstellen im zweiten Teil des Werkes nichts.
Besonderes Lob verdient der musikalische Leiter des Kantichors, Beat Wälti. Sein
gewagter Griff in die frühromantische Trouvaillen-Kiste und sein unermüdliches
Engagement für die drei Aufführungen haben sich bezahlt gemacht; das
Zusammenspiel der beiden Freiämter Formationen war ein wahrer Hörgenuss.
Samuel
Schumacher
© AZ-Tabloid / MLZ; 10.03.2009; Seite 9
zurück |