Mediterranes zwischen Containern
- Classic Openair
Ein Sommernachtstraum zwischen
profanen Übersee-Containern – der Männerchor Seon machte dies möglich. Als
Organisator des Classic-Openairs « Opera e Pasta » zog der Verein alle
Register, um den Anlass zu einem guten Gelingen zu bringen.
Mit sommerlichen Temperaturen kam
das Wetter auf Samtpfoten daher. Würde der laue Wind bald in Regengüsse
umschlagen, würden sich die dräuenden Wolken demnächst entladen? Bis zum
Schluss der Veranstaltung zeigte sich, allen Unkenrufen zum Trotz, kein
einziger vorwitziger Regentropfen und es kamen keine Pelerinen zum Zug.
Man genoss jene Temperaturen, die
man von Opernaufführungen in südlichen Gefilden kennt. Die verlockenden Düfte,
die der Wind aus der Küche herbeitrug, machten das mediterrane Ambiente
komplett.
Beziehungen zum Wettergott
Beziehungen zum Wettergott oder zu
Jürg Kachelmann persönlich – wie dies Dirigent und Pianist Andres Joho in
seinen launigen Einflechtungen betonte –, die Besucher nahmen den milden Abend
als ganz besonderes Geschenk. Zu Hunderten sind sie am Freitagabend ins
Gewerbegebiet Birren geströmt, wo bei der Firma Oehninger eine respektable
Arena aus Überseecontainern und eine Resonanzwand aus Lastwagen aufgebaut
worden war.
Die Besucher nahmen
Container-Schriftzüge wie «Maersk-Sealand» und «Hapag-Lloyd» wahr und statt
auf samtenen Sesseln zu sitzen, begnügte man sich mit einfachen
Sitzgelegenheiten.
Bekannte
Opernmelodien
In einer gelungenen Symbiose aus
Chören (Männerchor/Frauenchor Seon, Männerchor Dottikon/Villmergen), Orchester
(Orchesterverein Dottikon unter Heinz Binder) und Solisten (Barbara Buhofer,
Sopran, Daniel Zihlmann, Tenor, Ulrich S. Eggimann, Bass) wurde unter der
musikalischen Leitung von Andres Joho ein sommerliches Menü aus leicht
verdaulichen Opernmelodien offeriert.
Neben bekannten Liedern, bei denen
man liebend gern mitgesummt hätte, wurde der Abend auch mit weniger bekannten
Melodien aufgemischt. «Estrellita», das erste und einzige Werk von Manuel M.
Ponce, fügte sich lieblich in die berühmten Opernkompositionen ein.
Als Kernstück des Abends
präsentierte sich der Gefangenenchor aus «Nabucco» von Giuseppe Verdi. «Va,
pensiero, sull’ali dorate», tönte es kraftvoll und berührend mit Chor und
Orchester, als Abrundung später auch mit stimmlicher Verstärkung des
Publikums.
Reverenz
an König Fussball
Neben perfekt abgestimmten, mit
Orchester und Klavier begleiteten Soli und Duetten zollten die Solisten
Barbara Buhofer, Ueli Eggimann und Daniel Zihlmann, mit Bällen jonglierend und
elegant dribbelnd, vom Chor unterstützt, in einer witzigen Persiflage auch dem
König Fussball seinen Tribut.
Wurden die zahlreichen Gäste mit den
musikalischen Höhenflügen, nicht zuletzt auch mit der Czardas-Melodie Nr. 1
von Vittorio Monti, makellos dargeboten von der Konzertmeisterin Sonja
Jungblut, symbolisch in die weite Welt hinausgetragen, wurden sie nach
Mitternacht mit dem Groove der Wynavalley-Oldtime-Jazzband swingend und
klingend über den grossen Teich nach New Orleans entführt.
Mehrere hundert Besucher wohnten der
zweiten Auflage des Classic-Openair in der Seoner Container-Arena bei.
Aargauer Zeitung / MLZ; 2010-06-14 (Rolf Jenni
/ Margrit Rüetschi)
Italienischer Hörgenuss in englischem Rahmen